06.04.2016
Rückblick Forum UnternehmerTUM 2016: "Smart Cities – Die Zukunft entscheidet sich in der Stadt"
Die Stadt ist der Lebensraum der Zukunft: Schon heute lebt jeder zweite in der Stadt – bis 2050 werden es weltweit 70 Prozent sein. Diese Entwicklung ist eine große Herausforderung für die Städte und die Gesellschaft: Wie wird, wie muss die Stadt der Zukunft, eine Smart City aussehen? Zu diesem Thema lud UnternehmerTUM zum diesjährigen Forum. 650 Vertreter aus etablierten Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Gründerszene kamen am 5. April 2016 in die BMW Welt und diskutierten über Konzepte und Lösungen für ein lebenswertes Leben in der Stadt.

In seinem Impulsvortrag erläuterte der Urbanist und Stadtforscher Julian Petrin: "Wenn wir über Stadtentwicklung reden, reden wir über Herausforderungen des starken Zuzugs in die Städte. Große Städte wie zum Beispiel München und Berlin wachsen in den nächsten 10 Jahren um 5 bis 10 Prozent." Auch der demografische Wandel, die Ausbalancierung von Ungleichheiten und die Entwicklung neuer Mobilitätsformen seien wichtige Aufgaben. Es sei zudem eine neue Definition von Wohnen und Arbeit notwendig.

Petrin stellte darüber hinaus fest: "Die Weichen für die Zukunft werden in der Stadt gestellt. Denn viele der Ursachen, aber auch viele der Möglichkeiten für den Klimawandel liegen in den Städten."

Petrin hob die Bedeutung der Bürgerbeteiligung bei der Entwicklung einer lebenswerten Stadt der Zukunft hervor. Menschen hätten den Wunsch nach Selbstentfaltung und Beteiligung, darauf gelte es aufzubauen. Der Stadtforscher nannte dies in diesem Zusammenhang die Produktivkraft des "Stadtmachens". Für viele ein Schreckens-Szenario, es sei jedoch eine Evidenz: Die Gesellschaft wird digitaler. "Jedoch das Digitale und Soziale zusammenzudenken – das ist smart" so Petrin. Vernetzung im co-kreativen Prozess sei eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung einer smarten Stadt.
Rückblick Forum UnternehmerTUM 2016
                          UnternehmerTUM GmbH //  Quirin Leppert

Das für 2019 geplante Innovationszentrum im Kreativquartier setzt an dem Punkt der interdisziplinären und übergreifenden Zusammenarbeit an: Helmut Schönenberger, Geschäftsführer der UnternehmerTUM, hält das neue Kreativquartier für einen einzigartigen Ansatz, in dem München eine internationale Vorreiterrolle einnehmen könne. "Gemeinsam unter einem Dach entsteht weit mehr Besonderes, als wenn jeder für sich selbst arbeitet. Wenn verschiedene Disziplinen zusammenkommen, entsteht Neues", so Schönenberger.
Rückblick Forum UnternehmerTUM 2016
                              UnternehmerTUM GmbH // Patrick Ranz

Josef Schmid, Zweiter Bürgermeister der Stadt München, betonte vor dem Hintergrund des Wachstums der bayerischen Metropole – bis 2030 werden es 1,8 Mio. Einwohner sein – die Bedeutung der Entwicklung von Smart-City-Lösungen. Einen Schritt in diese Richtung gehe München schon heute mit der Entwicklung des neuen Stadtteils Freiham, wo mit 10.000 Wohnungen Wohnraum für 20.000 Menschen geschaffen werde. Hier könnten die Zukunftsszenarien schon heute mitgedacht und umgesetzt werden, wie zum Beispiel bei der Entwicklung intelligenter Mobilitätskonzepte, dem Einsatz von regenerativer Energie und der nachhaltigen Integrierung des Bestands im Umfeld. Auch die Bürgerbeteiligung habe eine sehr große Bedeutung.

Sophie Wolfrum vom Lehrstuhl für Städtebau und Regionalplanung an der TU München, stellte in der Diskussion fest, dass es noch große bürokratische Hürden gebe, wie zum Beispiel in der Baugesetzgebung. Insbesondere wenn es um die Umsetzung des Smart-City-Ansatzes einer gemischten Stadt des Arbeitens und Wohnens gehe, wie es beim Innovationszentrum geplant sei.

Als wichtigen Motor für eine Smart City sieht Florian Bieberbach, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke München GmbH, den Infrastruktur-Dienstleister. Zwei Dinge stünden dabei seiner Meinung nach im Mittelpunkt: die Lebensqualität in der Stadt und die Effizienz und Wirtschaftlichkeit. Die Stadtwerke arbeiteten an Lösungen, wie zum Beispiel im Bereich des Verkehrs mit einem intelligenten, schnellen Routing durch die Stadt unter Berücksichtigung der Verkehrslage und der zur Verfügung stehenden öffentlichen Verkehrsmittel. Bei der Energieversorgung arbeite man mit dem Ziel der Emissionsfreiheit beim Schadstoffausstoß und auch beim Lärm. Eine große Herausforderung sieht Bieberbach neben der Wärmeversorgung ebenfalls im Bereich der ressourcenschonenden Kälteversorgung in Zeiten des Klimawandels.
Rückblick Forum UnternehmerTUM 2016
                          UnternehmerTUM GmbH //  Patrick Ranz

"Die Mobilität, wie wir sie heute kennen, wird sich stark verändern, so stark wie nie zuvor", betonte Peter Schwarzenbauer, Mitglied des Vorstands der BMW Group. Das Unternehmen arbeite an neuen Car-Sharing-Konzepten, die auch mit dem zunehmenden Parkverkehr in Einklang gebracht würden – dieser betrage 30 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens. Sobald ein vollständig autonomes Auto zur Verfügung stehe, voraussichtlich in den nächsten 10 bis 15 Jahren, werde sich die Mobilität zudem noch einmal grundlegend verändern.

Jürgen Enninger leitet das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft in München und vernetzt Kreativschaffende. Er freut sich auf die neuen Nachbarn im Kreativquartier.

"Wir müssen die Menschen mit auf die Reise nehmen", sagte Schönenberger zum Ende der Diskussion beim Forum UnternehmerTUM. "Wir brauchen Prozesse und Strukturen, aber auch eine Kultur des spielerischen Ausprobierens. Dann entsteht Neues."
 
Fotos: Quirin Leppert / Patrick Ranz