11.05.2017
Die Erkundung des Undenkbaren – der Designer Arwed Guderian im MakerSpace
Arwed Guderian ist Gewinner des Creative in Residence Stipendiums des UnternehmerTUM MakerSpace und verrät uns heute sein Geheimnis, um geniale Produkte zu fertigen, die den meisten gar nicht einfallen würden. Dass er das kann, hat er schon mehrfach bewiesen. In seiner Diplomarbeit kreierte er einen aufrollbaren Koffer und im letzten Jahr erhielt er den bedeutenden German Design Award für einen Leuchter, der eine Kerze optisch im Raum schweben lässt.

Wie kommt man auf solche Ideen? Sein Mode- und Industriedesign Studium und seine Praxiserfahrung bei renommierten Designfirmen sind ein solides Fundament. Aber vor allem traut er sich zu experimentieren: „Ich lasse mich von den vorhandenen Materialien, Maschinen und Fertigungsmöglichkeiten leiten, ohne starre Zielvorgabe aber mit klarem Fokus.“ Als Designer sieht er sich an der Schnittstelle zwischen Unternehmertum und Technologie. Inhaltlich und gestalterisch hilft er, Prozesse besser zu verstehen und technologische Entwicklungen zu katalysieren, die für die meisten undenkbar sind. Und das beweist er nun im MakerSpace.
Arwed Guderian in seinem Studio

Ein geknickter Spiegel? Einfach. Genial.
Als Creative in Residence erhält Arwed drei Monate unbeschränkten Zugang zum UnternehmerTUM MakerSpace in Garching sowie drei Maschinenkurse, um das Noch-nie-da-gewesene zu erschaffen. Momentan erprobt er Fertigungsschritte um unter anderem einen geknickten Wandspiegel zu bauen. Wie bitte? Wie soll das gehen? Und wozu überhaupt? In seinem Studio in der Halle 6 des Münchener Kreativquartiers zeigt er uns ein Modell, das so einfach wie genial ist. Auf eine spiegelnde, kreisförmige Fläche setzt er einen halbkreisförmigen Schnitt.

Der geknickte Spiegel

Um die halbkreisförmige Fläche hochbiegen zu können, fertigt er den Spiegel aus hochglanzpoliertem Edelstahl – statt aus Glas, wie man es bei einem Spiegel erwarten würde. Durch das Hochbiegen erhält der Spiegel eine praktische und gleichzeitig faszinierende Ablagefläche, auf die Arwed zu Demonstrationszwecken einen Apfel stellt. „Mir gefielen die vier Äpfel“, erklärt er dabei. Moment…Vier? Wir müssen zweimal hinschauen, bis wir ebenfalls alle drei gespiegelten Äpfel sehen und verstehen, was er meint. Arwed fasziniert es, kulturelle Sehgewohnheiten in Frage zu stellen und eingefahrene Denkmuster aufzubrechen. Und das begeistert auch die Kunden seiner Designobjekte. Früher hat er Luxusyachten im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich entworfen. Dort habe er gelernt, mit enormer Komplexität umzugehen, was ihm jetzt den Blick für das Wesentliche ermögliche. Reduzieren und Weglassen sei die größte Herausforderung, um einfache und robuste Produkte zu entwerfen – das sei nicht anders als bei Ingenieuren oder Software-Architekten.


Ungehemmte Kreativität im MakerSpace

In der Garchinger Prototypen-Werkstatt probiert er gerade verschiedene Rohrbiegemaschinen und Walzen zur Fertigung des Wandspiegels aus. „Ein Spezialwerkzeug fehlt mir zwar noch, aber einer der MakerSpace Trainer hat mir schon einen Tipp gegeben, wie ich mir das Werkzeug hier selber bauen kann“. Das ist ungehemmte Kreativität, die beste Voraussetzung für innovative Produktentwicklungen. Während der Arbeit vor Ort kam ihm spontan die Idee für einen Trinkbecher aus Steinsalzzeug und kurze Zeit später produzierte er den ersten Prototypen im 3D-Keramik-Drucker.

 
Wer weiß, was ihm dort noch alles einfallen wird?! Wir freuen uns, so einen kreativen und talentierten Designer im MakerSpace zu haben und sind sehr gespannt auf seine Ergebnisse. Falls auch Sie gerne Neues ausprobieren oder sich einfach inspirieren lassen möchten, kommen Sie einfach vorbei. Ob einzelner Prototyp oder ganze Kleinserien, in Europas größtem MakerSpace ist alles machbar. Auch das, was heute noch undenkbar erscheint.