Workshop-Teilnehmer vor einem Lean Canvas-Plakat © Digital Product School
Geschrieben
06 Oktober 2020
Thema
Digitalisierung
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Aus der deutschen Wirtschaft ist der Mittelstand nicht wegzudenken. Aber Innovation passiert häufig noch in kleinen Schritten - nicht genug, um das Geschäft von morgen zu sichern. Wie man stattdessen große Sprünge macht und was wir von den erfolgreichsten Start-ups der Welt lernen können, verrät Lorenz Hutterer, Product Lead im Digital Business Lab von UnternehmerTUM.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) stellt u.a. diese Herausforderungen für mittelständische Unternehmen heraus:

  • digitale Features sind essentiell für Geschäftschancen von morgen
  • internationale Konzerne und Start-ups mit agilem Vorgehen konkurrieren mit dem nationalen Angebot
  • digitale Kompetenzen sind intern notwendig, nicht nur extern (z.B. durch gekaufte Dienstleistungen)
  • die Unternehmenskultur muss zukunftsgewandtes Handeln fördern

Das Team vom Digital Business Lab (DBL) weiß: die digitale Zukunft ist allen zugänglich und schneller möglich als viele denken - mit der passenden Aufstellung.

Die Geschäftsmodelle von morgen werden zunehmend digitale Elemente enthalten. Daher ist es entscheidend für den Mittelstand entsprechende Kompetenzen intern aufzubauen.

Dr. Christian Schröder, Projektkoordinator im IfM Bonn

Warum neues Entwickeln angesagt ist

Mittelständische Unternehmen wissen, was sie tun. In ihrem Fachgebiet sind die Produkte deutscher Unternehmen, bei denen Leitung und Eigentum in einer Hand liegt, international anerkannt und zählen in ihren Sektoren zu den Weltmarktführern. Technisch entwickeln sie sich weiter. Aber: Wenn es um Innovation geht, sind die Schritte oft klein und radikale Neuerungen selten. Neue Funktionen, Anpassungen und Trends schön und gut - was Unternehmen brauchen, ist jedoch mehr.

Abseits vom Tellerrand

Das Marktgeschehen und Trends bewegen sich heute in gesteigertem Tempo, neue Märkte öffnen sich. Das Kürzel “VUCA” beschreibt die aktuelle Lage in vier Punkten:

  • Volatility - Unbeständigkeit (unser Umfeld ändert sich schnell)
  • Uncertainty - Unsicherheit (Vorhersagen sind schwer)
  • Complexity - Komplexität (es gibt viele Faktoren und Abhängigkeiten)
  • Ambiguity - Mehrdeutigkeit (genaue Interpretationen sind schwer)

Entwickelt man neue Produkte nach klassischem System und in Abstimmungsrunden, kann das Jahre dauern. Zu langsam für eine Welt, in der sich neue Phänomene rasant etablieren, Produkte im Sturm den Markt erobern und Ideen von vor fünf Jahren heute obsolet sind. Die Devise: Nicht den perfekten Plan aufstellen, sondern auch außerhalb des Tellerrandes experimentieren.

Damit der Mittelstand mithält, müssen sich Arbeitsweisen anpassen und Potentiale früh entfalten können. Bisher findet Weiterentwicklung in deutschen Unternehmen meist im Silo statt. Die Grafik unten zeigt: Es gibt 1) das Kerngeschäft, 2) zusätzliche Features und 3) neue disruptive Chancen.

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Klassischerweise bewegen sich Neuerungen bei Mittelständischen im ersten und zweiten Bereich. Die potentiell gewinnbringenden Möglichkeiten in Kreis 3 zu entdecken, ist so aber unwahrscheinlich. Damit besteht die Gefahr, in der heutigen Dynamik von risikofreudigeren Newcomern überholt zu werden.

Konservative Prozesse der Produkt-Entwicklung greifen heute nicht mehr. Wir brauchen Mut und das Entdecken neuer Möglichkeiten.

Lorenz Hutterer, Product Lead im Digital Business Lab

Hier können wir von global erfolgreichen Gründungen lernen: Die “Lean Start-ups”, also junge Unternehmen, die mit schlanken Prozessen und agil arbeiten, bewegen sich im Kreis rechts und profitieren davon, sich neue Geschäftsfelder schnell zu erschließen. Viele davon - z.B. Airbnb, Uber und Zalando - sind in Krisenzeiten entstanden. Schnell und anpassungsfähig sind sie in der Lage, in der heutigen Welt des “VUCA” zu brillieren.

Zyklisch zum Markterfolg

Erfolgreiche Innovationen außerhalb des Kerngeschäfts verlangen nach einem anderen Vorgehen. Hier kommt der von Eric Ries vorgestellte "Lean Start-up"-Ansatz ins Spiel: Er hat sich in vielfachen Anwendungen bewährt und auch etablierte Organisationen können ihn anwenden.

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Die Methoden des “Lean Start-up” oder “Lean Product Development” (zu deutsch: schlankes Start-up und schlanke Produktentwicklung) kommen im Digital Business Lab gemeinsam mit den Teilnehmenden zum Einsatz. Das heißt nichts anderes, als sich in Zyklen und mit effizienten Prozessen dem fertigen Produkt zu nähern. Der Unterschied zu klassischer Innovation:

  • Problemverständnis aufbauen: Unser Dreh- und Angelpunkt sind die Menschen, die das Produkt nutzen - nicht eigene Vorstellungen. Der erste Schritt beinhaltet, sie mit ihren Herausforderungen und Bedürfnissen zu verstehen.
  • Ideen entwickeln: Wir finden Lösungen, die einen spürbaren Mehrwert für die Nutzenden generieren. Das stellt sicher, dass unser Produkt relevant ist (der sog. “Problem-Solution Fit”).
  • Iterieren und testen: Statt stringent eine festgelegte Produktvision zu verfolgen, die am Ende vielleicht am Markt scheitert, testen und validieren wir schon während der Umsetzung. “Lean" bedeutet in diesem Zusammenhang: wir bauen mit den ersten Ideen im Kopf und einfachsten Mitteln einen Prototyp. Bevor umfangreiche Ressourcen in die Umsetzung fließen, lassen wir Anwenderinnen und Anwender damit interagieren - und sehen sofort, ob dieser Ansatz Sinn macht. Wir holen ihr Feedback ein und entwickeln damit weiter: Sind Elemente auf der digitalen Oberfläche verständlich platziert? Ist der nächste Schritt ersichtlich?

Das Ergebnis: Produkte und Dienstleistungen, deren Mehrwert einleuchtet und die die Menschen gerne nutzen. Damit agil entwickelt werden kann, braucht es aber auch die richtigen Methoden und Rahmenbedingungen. Welche? Findet es heraus in unserem Teil 2: Digitale Entwicklung für Mittelständische - Erfolgsfaktoren.

Mehr zum Digital Business Lab erfahrt ihr hier.

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