Der Standort droht, im globalen Technologiewettbewerb den Anschluss zu verlieren – doch sechs Schlüsseltechnologien bergen enormes Wertschöpfungspotenzial

München, 13. Februar 2026. Ein Hightech-Potenzial von rund 1,7 Billionen Euro bietet deutschen Unternehmen die Chance, im internationalen Technologiewettbewerb entscheidend aufzuholen. In zentralen Schlüsseltechnologien liegen die Voraussetzungen, um Wertschöpfung zu skalieren und industrielle Stärke in zukünftigen Leitmärkten auszubauen – während andere Nationen wie die USA und China diese Hebel bereits systematisch nutzen und damit den Handlungsdruck für Deutschland erhöhen.

Wie ein Kurswechsel gelingen kann, zeigen BCG und UnternehmerTUM, Europas größtes Zentrum für Innovation und Unternehmensgründung, in ihrer Studie „Wachstumspfade“. Diese richtet den Blick konsequent nach vorn: Im Fokus stehen die sechs Schlüsseltechnologien der Hightech Agenda Deutschland (HTAD) des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) – und die Frage, wie sich technologische Stärken schneller in skalierbare Geschäftsmodelle und nachhaltiges Wachstum übersetzen lassen. Die Studie wird beim Startup-Hub der Münchner Sicherheitskonferenz vorgestellt.

Zu wenig Innovation, zu wenig Kapital


Deutschlands Innovationssystem verfügt über ein erhebliches Wachstumspotenzial – insbesondere dort, wo wissenschaftliche Stärke, Skalierung und Kapital systematisch zusammengeführt werden. Die Studie zeigt: Wenn klare Umsetzungsstrukturen und ausreichendes Wachstumskapital verfügbar sind, entstehen Wertschöpfung und Renditen, vor allem in KI-getriebenen Zukunftsfeldern. International wird dieses Potenzial bereits genutzt – während Deutschland trotz einer breiten technologischen Basis wirtschaftlich hinter seinen Möglichkeiten bleibt. So lag die Zahl aktiver Patente 2023 mit rund 930.000 unter dem Niveau der USA (3,5 Millionen) und Chinas (5 Millionen). Noch deutlicher wird der Unterschied bei wachstumsstarken Technologieunternehmen: In den USA sind rund 700, in China etwa 370 Unicorns entstanden – in Deutschland bislang rund 30. Auch beim Wachstumskapital besteht erhebliches Aufholpotenzial: 2024 investierten Kapitalgeber hierzulande weniger als 10 Milliarden US-Dollar Venture Capital, verglichen mit 209 Milliarden in den USA und rund 40 Milliarden in China. „Die Hightech Agenda ist die Chance, Deutschland als Industrie- und Technologiestandort neu zu erfinden”, sagt Michael Brigl, Senior Partner und Zentraleuropa-Chef bei der Boston Consulting Group. „Schlüsseltechnologien wie künstliche Intelligenz, Mikroelektonik oder Biotechnologie entscheiden nicht nur darüber, wer künftig wirtschaftlich das Rennen macht. Sie sind genauso entscheidend für die Resilienz und Souveränität unseres Landes."

Erfolgversprechende Schlüsseltechnologien


Künstliche Intelligenz


Deutschland verfügt über exzellente Forschung, industrienahe Anwendungsfelder und international wettbewerbsfähige Unternehmen, bleibt bei Plattformen, Infrastruktur und Skalierung jedoch hinter den USA und China zurück. „Deutschland hat starke Voraussetzungen – etwa bei industrieller KI und physischen Modellen –, muss diese jetzt aber konsequent in KI-getriebene Wachstumspfade und neue Generationen von Weltmodellen übersetzen, um international eine führende Rolle einzunehmen“, sagt Tibor Merey, Partner bei BCG und Leiter des globalen Frontier-Tech Bereichs. Wettbewerbsfähigkeit erfordert dedizierte KI-Factories, industrienahe Datenräume und Modellfabriken, die Entwicklung und Anwendung eng verbinden. Nationale Weltmodell-Programme, souveräne KI-Infrastruktur und eine wirkungsorientierte Finanzierung setzen dafür die entscheidenden Rahmenbedingungen.

Quantentechnologien


In der Quantenforschung zählt Deutschland zur internationalen Spitze, der Übergang zu marktfähigen, zertifizierten Systemen verläuft jedoch noch zu langsam. Das größte Potenzial liegt in Enabler-Technologien wie Photonik, Hochleistungsoptik, Lasersystemen und Kryotechnik sowie in Plattformen wie Ionenfallen- und Neutralatom-Systemen. Skalierbare Plattformen, wettbewerbliche Pilotlinien und der gezielte Einsatz staatlicher Akteure als Ankerkunden können hier den entscheidenden Durchbruch ermöglichen.

Mikroelektronik


Als Fundament nahezu aller Zukunftstechnologien ist die Mikroelektronik strategisch zentral, zugleich bestehen hohe Abhängigkeiten in globalen Lieferketten. Deutschland ist insbesondere bei Leistungselektronik und Halbleiter-Equipment stark, während neue Felder wie Chiplets, Photonik und Advanced Packaging bislang nur begrenzt industrialisiert sind. Die größten Chancen liegen nicht im Bau hochkomplexer Spitzenchips, sondern bei leistungsfähigen Industriechips, Chip-Bausteinen, neuen Verpackungstechnologien, photonischen Chips und neuartigen Speicher- und Logikansätzen. Wichtige Hebel sind hierbei spezialisierte Exzellenzcluster, eine stärkere europäische Zusammenarbeit im Chipbereich und verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.

Biotechnologie


Trotz starker Industrie und Forschung bleibt das biotechnologische Potenzial in Deutschland bislang weitgehend ungenutzt. Fragmentierte Strukturen, regulatorische Hürden und fehlende Pilot- und Skalierungsinfrastrukturen bremsen den Transfer in die Anwendung. Abhilfe schaffen konkrete Umsetzungsfahrpläne, Biotech-Innovation-Hubs, KI-gestützte Translationszentren sowie schnellere und verlässliche Genehmigungs- und Zulassungsprozesse.

Fusion und klimaneutrale Energieerzeugung


In vielen Technologien für erneuerbare Energien hat Deutschland internationale Führungspositionen eingebüßt, in neuen Feldern wie industrieller Wärme und Kernfusion ist die globale Marktführerschaft jedoch noch offen. Forschung und eine breite industrielle Basis bieten hierfür eine vielversprechende Ausgangslage, um im klimaneutralen globalen Energieerzeugungsmarkt von über 570 Milliarden Euro im Jahr 2030 eine relevante Rolle spielen zu können.

Klimaneutrale Mobilität


Die Transformation der Mobilität verändert zentrale industrielle Wertschöpfungsketten in Deutschland. Gleichzeitig drohen neue Abhängigkeiten, etwa bei Batterietechnologien und automatisierten Mobilitätssystemen. Zentrale Hebel sind die Stärkung der Batteriewertschöpfung in Europa, die skalierte Einführung autonomer Systeme über verschiedene Verkehrsträger hinweg sowie der Aufbau eines HyperloopIndustriesystems als neues Zukunftsfeld.

Die Analyse der sechs Technologiefelder identifiziert Faktoren, die darüber entscheiden, wie schnell neue Technologien in der Industrie ankommen und Wertschöpfung generieren. Zentrale Voraussetzung hierfür ist, dass Politik, Industrie, Wissenschaft, Startups und Kapital in Innovationsökosystemen eng zusammenarbeiten.

Staatliche oder industriegetriebene Referenzprojekte und Abnahmevereinbarungen sorgen für eine frühe verlässliche Nachfrage. So reduzieren sich Marktrisiken und der Übergang von der Pilotierung in industrielle Anwendungen wird deutlich leichter möglich. „HighTech aus Deutschland kann auch zukünftig globale Märkte erobern“, sagt Helmut Schönenberger, CEO von UnternehmerTUM. „Dazu braucht es viele Gründerinnen und Gründer, die schnell und ambitioniert innovative Produkte schaffen und industriell skalieren.“

Schneller von der Pilotierung in den Echtbetrieb


Erfolgsentscheidend für Unternehmen ist auch der Zugang zu Wachstumskapital über alle Entwicklungsphasen hinweg, insbesondere in der kapitalintensiven Skalierung. Um Innovationen nicht auszubremsen und Entwicklungszeiten zu verkürzen, sind schnelle, planungssichere und innovationsfreundliche regulatorische Rahmenbedingungen erforderlich: klare Verantwortlichkeiten, schnelle Entscheidungen und eine wirksame Governance, die Prioritäten setzt, Fortschritte messbar macht und industrielle Entwicklung konsequent steuert. „Ob Deutschland im Technologiewettbewerb aufholt, entscheidet sich nicht bei der Idee, sondern bei der Translation und Skalierung“, sagt Philipp Gerbert, CEO von TUM Venture Labs und Senior Partner Emeritus BCG, „Jetzt geht es darum, Deeptech-Innovationen schneller aus der Pilotphase in industrielle Anwendungen zu überführen.“ Andernfalls drohen zentrale Zukunftsmärkte und damit verbundene Wertschöpfung dauerhaft außerhalb Deutschlands zu entstehen.

Über die Studie

Die Studie „Wachstumspfade“ analysiert, wie Deutschland seine wissenschaftliche Exzellenz und industrielle Stärke in den von der Hightech Agenda Deutschland priorisierten Schlüsseltechnologien wirksam in industrielle Wertschöpfung überführen kann. Grundlage der Analyse sind umfangreiche Markt- und Technologiestudien, die Auswertung von Unternehmens- und Investitionsdaten sowie leitfadengestützte Interviews mit über 100 Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und dem Gründungsumfeld. Die wirtschaftliche Bedeutung der betrachteten Technologiefelder wird anhand eines einheitlichen Marktgrößenansatzes bewertet, der sowohl das globale Marktpotenzial (Total Addressable Market, TAM) als auch das unter realistischen Annahmen für deutsche Anbieter adressierbare Marktvolumen (Serviceable Addressable Market, SAM) berücksichtigt. Ergänzend analysiert die Studie internationale Wettbewerbspositionen, strukturelle Engpässe bei Umsetzung und Skalierung sowie zentrale Erfolgsfaktoren entlang der gesamten Wertschöpfung. Die Studie wurde gemeinsam von der Boston Consulting Group (BCG), UnternehmerTUM und TUM Venture Labs erarbeitet. Sie richtet sich an Entscheidungsträger aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie an Gründende und Kapitalgeber und versteht sich als analytische Grundlage für die Weiterentwicklung eines leistungsfähigen Innovations- und Skalierungsökosystems in Deutschland.



UnternehmerTUM – Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung
UnternehmerTUM ist eine einzigartige Plattform für die Entwicklung von Innovationen. Startups bietet UnternehmerTUM einen Rundum-Service von der ersten Idee bis zum Börsengang. Ein Team aus über 500 erfahrenen Mitarbeitenden, darunter Unternehmer, Wissenschaftler und Investoren, unterstützt beim Aufbau des Unternehmens, beim Markteintritt und bei der Finanzierung – auch mit Venture Capital. Etablierten Unternehmen bietet ein Team aus erfahrenen Beratern den optimalen Zugang zum Ökosystem von UnternehmerTUM. UnternehmerTUM verfügt über langjährige Expertise bei der Entwicklung von Innovationsstrategien und der Umsetzung und Ausgründung technologiegetriebener Geschäftsideen. 2002 von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründet, ist die gemeinnützige UnternehmerTUM GmbH mit jährlich mehr als 100 wachstumsstarken Technologiegründungen - u. a. Celonis, Konux und Isar Aerospace - das führende Zentrum für Gründung und Innovation in Europa.

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