UnternehmerTUM präsentiert eine Analyse des AgriFood-Innovationsökosystems in Europa
München, 17. September 2026. Dieses Jahr machen Hitze und Wasserknappheit besonders deutlich: Versorgungssicherheit gewinnt, gerade in der Landwirtschaft, zunehmend an Bedeutung. Daher stellt UnternehmerTUM heute beim AgriFood Demo Day erstmals den europaweiten Report „Europe's AgriFood Innovation Ecosystem 2026" vor. Die Analyse zeigt, wie sich zwischen 2015 und 2025 mehr als 2.000 Unternehmen aus 37 europäischen Ländern entlang der gesamten Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungskette entwickelt haben.
Der Sommer 2026 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Schon 2023 waren laut European Environment Agency 28 % der EU-Fläche und 32 % der EU-Bevölkerung von Wasserknappheit betroffen. Beides zeigt: Handeln ist nötig, um die Versorgung sicherzustellen, besonders in der Landwirtschaft, einem der größten Wassernutzer Europas und zugleich einem der Sektoren, der am empfindlichsten auf Hitze, Dürre und instabile Ernten reagiert.
Bestandsaufnahme des Ökosystems fehlt bislang
Handeln setzt eine verlässliche Bestandsaufnahme voraus. Diese fehlt bislang. Agrar und Lebensmittel werden in Marktanalysen meist getrennt betrachtet, obwohl beide Teil derselben Wertschöpfungskette sind. Der Report „Europe's AgriFood Innovation Ecosystem 2026" von UnternehmerTUM schließt diese Lücke und untersucht die gesamte Wertschöpfungskette entlang acht Segmenten. Der Fokus liegt auf Europa, auf Finanzierung und auf der Entwicklung von 2015 bis 2025. Grundlage sind mehr als 2.000 Unternehmen (2.169 Datensätze) aus 37 europäischen Ländern mit über 8,5 Mrd. EUR offengelegter Finanzierung.
Farming und Retailer: Zwei Segmente, zwei Extreme
Das Segment Farming stellt mit 18 % aller Startups eines der größten Segmente, erhält aber nur 6 % des investierten Venture Kapitals. Ein umgekehrtes Bild zeigt sich am anderen Ende der Wertschöpfungskette. Das Segment Retailer vereint mehr als ein Viertel des gesamten Kapitals auf sich, obwohl nur 7 % aller Startups aus diesem Segment stammen. Fast drei Viertel des gesamten Segment-Fundings entfallen auf ein Unternehmen, den niederländischen Online-Supermarkt Picnic. Damit hat ein einziger Lebensmittelhändler dreimal so viel Kapital eingesammelt wie alle 387 Farming-Startups Europas zusammen.
„Wenn privates Kapital nicht in die Landwirtschaft fließt, müssen wir uns fragen, wie dort Innovation trotzdem entstehen kann. Der Markt allein wird diese Lücke nicht schließen. Dafür braucht es öffentliche Förderung, Aufträge etablierter Unternehmen und Innovationspartnerschaften", sagt Nikola Baumschlager, Lead des AgriFood Hub von UnternehmerTUM.
Europas Wassertechnologie bleibt auf dem Trockenen
Europas Kapital fließt an den Stellen der Lebensmittelwertschöpfungskette vorbei, die den größten Hebel gegen Ressourcenknappheit sowie Klimawandel haben. Wassertechnologie kann Teil der Lösung gegen die Wasserknappheit in der Landwirtschaft sein. Dem ist das Kapital bislang nicht gefolgt. Von 237 Unternehmen, die im Datensatz mit dem Thema Wasser verknüpft sind, bauen 24 tatsächlich Wassertechnologie als Kernprodukt (10,1 %). Auf sie entfallen 57 von 928 Mio. EUR (6,1 %) des Kapitals.
Deutschlands Funding-Schwäche trotz Startup-Stärke
Im EU-Ländervergleich stellt Deutschland die meisten AgriFood-Startups, landet beim Funding aber auf Platz zwei, hinter den Niederlanden. Die Niederlande mobilisieren als bedeutendes Lebensmittel-Exportland mit einer deutlich kleineren Startup-Basis mehr Wachstumskapital für den Sektor – allerdings stark konzentriert auf ein einzelnes Unternehmen.
Weitere Entwicklungen im europäischen AgriFood-Ökosystem:
- Mehr Frauen am Gründungstisch: Fast jedes dritte europäische AgriFood-Startup hat eine Frau im Gründungsteam. Der Anteil steigt über die gesamte Dekade: 2015 hatten 17 % der neu gegründeten Unternehmen eine Frau im Team, seit 2018 liegt der Anteil konstant über 30 %.
- Fermentation ist das neue Gründungsthema: Der Teilbereich der Biotechnologie wächst am stärksten: Der Anteil an neu gegründeten Ingredient-Producer-Startups ist von 23 % auf 37 % gestiegen und ist damit die größte Verschiebung im gesamten Datensatz.
- Innovationen bleiben in der Pilotphase stecken: Von 449 Startups, die eine Seed-Runde abschließen, erreichen 94 eine Series A. Das zeigt einen Rückgang von 79 %, der seit 2015 besteht. Vielversprechende Lösungen bleiben im Pilotprojekt stecken.
„Food Resilience wird von der Agenda nicht einfach wieder verschwinden. Nach Pandemie, diversen geopolitischen Krisen und Hitzesommer wissen wir: Versorgungssicherheit ist kein Zustand, den man einmal erreicht, sondern eine Fähigkeit, die man dauerhaft pflegen muss.", ergänzt Dr.-Ing. Roman Bosl Werner, AgriFood Hub Lead TUM Venture Labs.
Download des vollständigen Reports unter: https://www.unternehmertum.de/...
UnternehmerTUM – Europas führendes Zentrum für Innovation und Gründung
UnternehmerTUM ist eine einzigartige Plattform für die Entwicklung von Innovationen. Startups bietet UnternehmerTUM einen Rundum-Service von der ersten Idee bis zum Börsengang. Ein Team aus über 500 erfahrenen Mitarbeitenden, darunter Unternehmer, Wissenschaftler und Investoren, unterstützt beim Aufbau des Unternehmens, beim Markteintritt und bei der Finanzierung – auch mit Venture Capital. Etablierten Unternehmen bietet ein Team aus erfahrenen Beratern den optimalen Zugang zum Ökosystem von UnternehmerTUM. UnternehmerTUM verfügt über langjährige Expertise bei der Entwicklung von Innovationsstrategien und der Umsetzung und Ausgründung technologiegetriebener Geschäftsideen. 2002 von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründet, ist die gemeinnützige UnternehmerTUM GmbH mit jährlich mehr als 100 wachstumsstarken Technologiegründungen - u. a. Celonis, Konux und Isar Aerospace - das führende Zentrum für Gründung und Innovation in Europa.