22.10.2019
Mehr Frauen in der Start-up Szene: 5 Fragen an… Susanne Traugott von “Women.start.up!”

In unserer Rubrik “5 Fragen an…” stellen wir in regelmäßigen Abständen Personen aus der UnternehmerTUM und ihre Projekte vor.

Susanne ist seit Mitte 2018 Projektleiterin der Initiative Women.start.up!. Zuvor hat sie viele Jahre im Bereich der Executive Education gearbeitet und den Executive MBA in Innovation and Business Creation geleitet. Bereits beim Aufbau des Weiterbildungsprogramms und des Alumni-Netzwerks hat sie sich für die Themen eingesetzt, die bei Women.start.up! im Fokus stehen - allen voran “Women’s Empowerment” und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Susanne hat Kommunikationswissenschaften, BWL und Interkulturelle Kommunikation studiert.


Susanne, wie ist die aktuelle Lage in Deutschland, wenn es um Frauen und Gründung geht?

31,6% der Frauen und 39% der Männer stehen einer Gründung positiv gegenüber, ein augenscheinlich ausgeglichenes Verhältnis. Allerdings kehren sich die Zahlen ins Negative, blickt man auf den Anteil der tatsächlichen Start-up-Gründerinnen in Deutschland. Hier machen Frauen nur einen Anteil von 15,1% aus. Es existiert also ein enormes Missverhältnis zwischen der grundsätzlichen Gründungsneigung und der tatsächlichen Umsetzung - die Zahl bei Gründerinnen sinkt, während männliche Gründer die Start-up-Welt dominieren. 

 

Wie kann so ein gravierendes Missverhältnis zwischen Theorie und Umsetzung entstehen?

Fehlende Mentoren und Vorbilder, mangelndes Wissen um die eigenen Stärken sowie wesentlich größere Hürden bei der Finanzierung hindern Frauen an der Gründung. Nur 7,8 % der Frauenteams erhalten Venture Capital, während es bei den Männern 16,8% sind. Unabhängig davon existiert ein falsches Bild der Tech Start-up-Szene, das man aus den Köpfen herausbekommen muss. Es gibt viele verschiedene Arten zu gründen. Bei Tech Start-ups denken wir automatisch an junge, weiße Männer und deren Zukunftsvisionen. Solche Bilder müssen aufgebrochen werden. Man kann auch neben der Familie gründen, gerade Mütter bevorzugen die freie Zeiteinteilung und die Möglichkeit, von zuhause aus arbeiten zu können. Frauen stellen auch vermehrt die Frage nach der Sinnhaftigkeit und dem Impact ihrer Geschäftsidee und wollen langfristig nachhaltige Unternehmen aufbauen. Daher benötigen sie meist mehr Zeit für den Unternehmensaufbau, sind aber dennoch oft sehr erfolgreich. 

 

Wie will Women.start.up. das vorhandene Mindset verändern?

Wir möchten bewusst machen, was unterbewusst passiert. So ist beispielsweise das Vertrauen in die wirtschaftlichen und innovativen Fähigkeiten von Frauen weit geringer als das in ihre männlichen Kollegen. Studien haben beispielsweise gezeigt, dass in Pitch-Situationen Männer unterbewusst als ambitioniert und Frauen als unerfahren bewertet werden. Dadurch wird deutlich, warum wesentlich mehr Männer Venture Capital bekommen als Frauen.

Innerhalb der UnternehmerTUM tauschen wir uns in regelmäßigen Abständen mit Mitarbeitern aus allen Unternehmensbereichen aus. Wir sensibilisieren für die Unterschiede zwischen Frauen und Männern und machen bewusst, dass Ziele, Motivationen und Bedürfnisse von gründungsinteressierten Frauen möglicherweise anders sind und die gleichen Mechanismen und Unterstützungsleistungen vielleicht nicht so gut funktionieren. Außerdem versuchen wir verstärkt Frauen als Speaker auf Konferenzen und andere Veranstaltungen einzuladen, um diese dadurch diverser zu gestalten. 

Auch das Thema Bildsprache und gendergerechte Sprache spielt eine Rolle. Unser Programm Digital Product School ist ein positives Beispiel - mit einer angepassten Website werden mittlerweile wesentlich mehr Frauen erreicht als noch in den vergangenen Programmzeiträumen. So wurden z.B. die Anforderungsprofile angepasst. Frauen können sich eher in aufgaben- und qualifikationsorientierten Profilen wiedererkennen und fühlen sich von Beschreibungen wie  Wortgewandtheit” und “Blick für das Wesentliche” angesprochen, während Männer auf Status und Macht bezogene Eigenschaften reagieren, wie “Verhandlungsgeschick” oder “Durchsetzungsvermögen”. 

 

Was bietet Ihr den Frauen, die zu Euch kommen?

Unsere immer größer werdende Community bietet Raum für Austausch und gegenseitige Unterstützung. Probleme können identifiziert werden und das Netzwerk kann beim Lösen dieser helfen. Bei uns treffen sich Frauen mit den unterschiedlichsten Hintergründen und Lebenssituationen, von der erfolgreichen Geschäftsführerin bis hin zur gründungsinteressierten Studentin ist alles dabei. Im nächsten Schritt möchten wir Community-Events anbieten, beispielsweise eine Pitch-Night nur für Frauen, auf der sich in einem geschützten Raum ausgetauscht und Feedback gegeben werden kann. Wir betreuen und beraten die Frauen sehr individuell, wir vermitteln Kontakte oder schlagen ihnen vor, an bestehenden Formaten der UnternehmerTUM teilzunehmen. 

 

Wer nimmt Euer Angebot in Anspruch?

Generell sind es gründungs- und technologieinteressierte Frauen. In unseren UnternehmerTUM-Programmen sind durch die Nähe zur TU München viele Studentinnen vertreten. Auffällig ist, das viele von diesen Studentinnen nach ihrem Studium die Gründungsidee nicht weiter verfolgen und sich stattdessen einen Job suchen, um Geld zu verdienen und dadurch eine Sicherheit zu haben. Diese kommen später aber oft wieder auf uns zu, wenn sie beispielsweise merken, dass sie im Job nicht weiterkommen oder gerade in der Familienphase sind und  nebenher gründen möchten. Diesen Frauen bieten wir eine Anlaufstelle und unterstützen sie. 

 

Mehr Informationen auf der Webseite von Women.start.up! oder schreibt Susanne an: traugott@unternehmertum.de.