20.01.2017
"Wir hatten schon von Anfang an ein sehr gutes Team" – Interview mit Alex Rinke von Celonis
Es klingt wie ein Märchen: Die drei Münchner TU-Studenten Martin Klenk, Bastian Nominacher und Alexander Rinke gründen 2011 ein Software-Start-up ohne fremdes Kapital. Wenige Jahre später haben sie noch immer keine Finanzierung in Anspruch genommen, sind aber mit 80 Mitarbeitern und SAP als starkem Partner von Deloitte zum wachstumsstärksten deutschen Tech-Unternehmen 2016 gekürt worden. Nun haben sie eine millionenschwere Finanzierung von namhaften amerikanischen Investoren und Business Angels eingestrichen. 
 

Ihre Process Mining Software zeigt in Echtzeit die Prozesse in Unternehmen an und wertet u.a. aus, wie sich Kunden in einem Online-Shop verhalten und wo es z.B. zu einem Abbruch des Kaufs kommt.

Was ist ihr Geheimnis? UnternehmerTUM hat mit Alexander Rinke gesprochen.

 

 
 

Eure Erfolgsgeschichte klingt wie keine andere: Ihr habt euer Start-up 2011 ohne Fremdfinanzierung aufgebaut. Wie hat das funktioniert?

Damals haben wir mit 12.500 Euro angefangen und damit unsere Stundentenkonten geleert. Von dort aus haben wir dann Schritt für Schritt erste Kunden gewonnen und seitdem sämtliche Umsätze und Gewinne reinvestiert, sodass wir Mitarbeiter einstellen, ein Büro bezahlen konnten, Anwälte usw. usw.. Außerdem waren wir in der Anfangsphase sehr sparsam!

Wie konntet Ihr euch die ersten Jahre über Wasser halten?

Wir hatten schon von Anfang an ein sehr gutes Team, das ein klasse Produkt entwickelt und die Kunden zufriedengestellt hat. Das war sehr wichtig, da wir so praktisch keinen Kunden verloren haben, ganz im Gegenteil. Wir haben uns ausschließlich auf die Kunden fokussiert, nicht auf das Start-up Ökosystem, Investoren o.ä. Ich denke, das war in der Anfangsphase wirklich super und ist immer noch eine unserer Stärken.

2015 kam dann die Partnerschaft mit SAP. Was hat sich ab diesem Zeitpunkt für euch verändert?

Wir haben schon seit 2013 mit der SAP zusammengearbeitet, seit 2015 haben wir eine globale Reseller Partnerschaft. Viele haben uns damals davor gewarnt, dass Startup und Großkonzern nicht gut zusammenarbeiten können. Hier ist aber das Gegenteil der Fall, das funktioniert wirklich super und macht sehr viel Spaß!

Letztes Jahr haben Investoren und Business Angels satte 27,5 Millionen US-Dollar in euer Unternehmen investiert. Wie überraschend kam diese hohe Summe für euch?

Gar nicht überraschend, wir haben das ja mit den Investoren verhandelt. Spaß beiseite, das ist natürlich ein super Meilenstein für uns und wir freuen uns auf die nächsten Jahre mit viel Wachstum und einer verstärkten Internationalisierung!

Was macht eure Software für Process Mining so einzigartig?

Das Tolle an Celonis Process Mining ist, dass die Lösung 100% Transparenz über die wichtigsten Abläufe im Unternehmen – wie Einkauf, Vertrieb, Logistik oder Buchhaltung schafft. Das ermöglicht Führungskräften, viel bessere Entscheidungen zu treffen und das eigene Unternehmen erheblich besser und effizienter zu machen. Das ist ein riesen Mehrwert! Mit zunehmender Größe sind effiziente Prozesse auch für uns eine Herausforderung und wir Celonis auch im eigenen Unternehmen immer mehr – ich kann also aus eigener Erfahrung sprechen!

Vielen Dank für das Gespräch!

Mit dem Kapital will das Unternehmen in den nächsten Jahren neue Produkte entwickeln und Unternehmen beim Benchmarketing unterstützen.

Celonis wurde von der TUM-Gründungsberatung unterstützt und durch ein EXIST-Gründerstipendium gefördert. Am 26. Januar ist Rinke übrigens Gastreferent bei unserer Vorlesung "Innovative Unternehmer" und verrät hier die ganze Story.