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Geschrieben
16 Juni 2020
Thema
Mobilität
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Das Format citizen mobility des Digital Hub Mobility ist eine Kollaborationsplattform für die Mobilität von morgen. Wir bringen etablierte Unternehmen, Kommunen, Start-ups und Wissenschaft zusammen, um Probleme zu identifizieren und bürgerzentriert innovative Lösungen für die urbane Mobilität zu entwickeln und zu testen. Eine weitere wichtige Säule der Umsetzungsplattform sind die Bürger und ihre Ideen und Probleme. “Gemeinsam gestalten wir nachhaltige Mobilität für alle in einer lebenswerten Stadt” ist die Mission, die alle Beteiligten vereint und die Basis der Zusammenarbeit bildet.

Innerhalb von knapp vier Monaten, zwischen Oktober 2019 und Januar 2020, entwickelten drei interdisziplinäre Teams Lösungsansätze zu diversen Herausforderungen der Mobilität. Eine aktive Beteiligung verschiedener Referate der Landeshauptstadt München (LHM) war dabei Grundlage für eine temporäre Verwandlung der Stadt in ein “Living Lab”.

So befasste sich ein Team des ADAC gemeinsam mit dem Referat für Arbeit und Wirtschaft der LHM, der Design-Agentur Designit sowie dem Start-up Upride mit dem Thema “Ganzjährig Radfahren”.

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Abbildung 1: Entspanntheit der Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmer je nach Wahl des Verkehrsmittels

Als wichtigste potenzielle Motivatoren, mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren wurden eine Zeitgutschrift oder Bonuszahlungen durch den Arbeitgeber genannt. Bessere Radinfrastruktur im öffentlichen Raum folgte auf dem dritten Platz. Die größten Hindernisse waren laut der Befragten schlechtes Wetter, eine zu große Distanz zum Arbeitsplatz, aber auch die eigene Bequemlichkeit. Die Infrastruktur für Radfahrende, z.B. Radwege, fand ebenfalls ihren Platz unter den meistgenannten Gründen, warum das Fahrrad nicht zum Pendeln genutzt wird.

Interessante Erkenntnisse ergab die Auswertung der empfundenen “Entspanntheit” auf dem Weg zur Arbeit, gegliedert nach Verkehrsmitteln. Bei Strecken unter zehn Kilometern empfinden etwa 55 Prozent der Radfahrenden ihren Arbeitsweg als “entspannt”. Währenddessen empfinden nur 38 Prozent das Auto und 29 Prozent den Öffentlichen Nahverkehr (Strecke jeweils unter zehn Kilometer) als “entspannt”. Die Daten zeigen somit, dass insbesondere der Arbeitsweg mit dem Rad als entspannt eingestuft wird. Nur etwa sieben Prozent der Radfahrenden fühlen sich gestresst, während hingegen 16 Prozent der Befragten den Arbeitsweg mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln als gestresst wahrnehmen (siehe Abbildung 1).

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Abbildung 2: Übersicht zur Bereitschaft, mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren.

Eine hohe oder sehr hohe Bereitschaft aufs Fahrrad umzusteigen zeigen knapp 30 Prozent der Befragten. Ein ähnlich hoher Anteil zeigt eine geringe oder sehr geringe Bereitschaft mit dem Rad zu fahren (32 Prozent). Diese Ablehnung fällt im “fahrradfreundlichen” Bereich (unter zehn Kilometer) allerdings auf 23 Prozent. Dies zeigt, dass es noch viel Potenzial für den Radverkehr gibt.

Dem Fahrrad muss eine größere Bedeutung im urbanen Verkehrsraum zukommen.

Eine Teilnehmerin des Experiments "Winterradeln"

Zusätzlich zur quantitativen Studie führte das Team im Januar/Februar 2020 ein vierwöchiges Experiment unter dem Motto “Winterradeln” in Kooperation mit dem Fahrradvermieter Swapfiets durch. Ausgewählte Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten für diesen Zeitraum kostenfrei ein E-Bike. Ziel war es das gewohnte Mobilitätsverhalten auf dem Weg zur Arbeit besser zu verstehen und aufzubrechen. Die Beteiligten dokumentierten täglich ihre gewählte Mobilitätsform für den Arbeitsweg. Eine Kontrollgruppe ohne E-Bike ergänzte das Experiment.

Fünf der sechs Teilnehmenden mit E-Bike hatten vor dem Experiment angegeben “nie oder fast nie” im Winter mit dem Fahrrad zu fahren. Während des vierwöchigen Testzeitraums änderten die E-Biker ihr Verhalten grundlegend: Drei Teilnehmende nutzten das E-Bike mindestens dreimal die Woche und zwei mindestens einmal die Woche. Dabei galt trotz milder Temperaturen das Wetter als größter Hinderungsgrund. Neben der Bestätigung, dass die Fahrradinfrastruktur ein weiteres Problem darstellt, überwog das positive Feedback. Hinzu kommt die wichtige Erkenntnis, dass die Bereitstellung eines E-Bikes die Hemmschwelle zur regelmäßigen Nutzung senken konnte. “Dem Fahrrad muss eine größere Bedeutung im urbanen Verkehrsraum zukommen”, fasste eine Teilnehmerin zum Abschluss des Experiments ihre Erfahrung zusammen. Ein weiterer Teilnehmer, der vorher den Öffentlichen Nahverkehr für den Weg zur Arbeit nutzte, wollte sein E-Bike am Ende des Testzeitraums am liebsten gar nicht mehr zurückgeben, da er sich bereits an die tägliche Fahrt zur Arbeit gewöhnt hatte.

Die Erkenntnisse der Studie zur Fahrradmobilität und des Experiments “Winterradeln” zeigen, dass sowohl Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber ihren Teil dazu beitragen können, die Mobilität zu verbessern und zu verändern. Es sind neue Wege nötig, um das gewohnte Mobilitätsverhalten zu hinterfragen und zu ändern. Das direkte Ausprobieren sowie Angebote, die ein Testen – möglichst ohne Hürden – ermöglichen, können hierbei effektive Mittel sein. Aus den gewonnenen Erkenntnissen der Umfrage und des Experiments wird das citizen mobility Team Impulse zur Fahrradförderung durch Arbeitgeber entwickeln.

Mehr über das Projekt: Mobilitätsprobleme in den Städten lösen - „citizen mobility“

Team "Sichere Kreuzung": Unfälle an Kreuzungen vermeiden - Team "Sichere Kreuzung"

Team „E-Kickscooter“: Sharing-Angebote für eine Verbesserung der täglichen Mobilität - Team „E-Kickscooter“

Kontakt: mobility@unternehmertum.de

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