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Künstliche Intelligenz – der Schlüssel zum intelligenten Business der Zukunft?

Applied AI
Geschrieben
08 Juni 2020
Thema
Künstliche Intelligenz (KI)
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Künstliche Intelligenz wird seit einigen Jahren als die disruptivste Zukunftstechnologie im digitalen Wandel gehandelt. Doch ist das Potenzial von KI so verheißungsvoll wie Medien es oft darstellen? Wie können Unternehmen profitieren und wie arbeiten sie bereits mit KI? Und schließlich: wie kann man sie für alle nutzbar machen? Denn Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag schon jetzt nachhaltig – oft ohne, dass wir es wissen.

Hierzulande gibt es zwar einen KI-Boom, d.h. immer mehr Unternehmen nutzen künstliche Intelligenz bzw. Machine Learning zur Verbesserung ihrer Industrie- und Geschäftsprozesse. Laut einer 2019 geführten Studie von IDC zur Nutzung Künstlicher Intelligenz in deutschen Unternehmen haben bereits 41 Prozent KI-getriebene Projekte umgesetzt, ganze 88 Prozent planen dies für das Jahr 2020. Dennoch fällt Deutschland hinter Ländern wie China und den USA stark zurück – auch hinsichtlich der Innovationskraft. Woran liegt das? „Das hat verschiedene Gründe. Beispielsweise sind in China sehr große staatliche Programme aufgesetzt worden. KI wird in China als absolut strategisch wichtig angesehen. KI ist im Alltag insbesondere über Gesichtserkennung und Tracking angekommen. Ab der Grundschule werden Inhalte zu KI gelehrt. In den USA sind die Aktivitäten insbesondere über die großen Digitalfirmen getrieben, die mit enormem Aufwand die Entwicklung vorantreiben. Eine gut funktionierende Gründerszene lässt dort große KI-Start-ups entstehen,“ bestätigt Dr. Andreas Liebl, Managing Director der Initiative appliedAI von UnternehmerTUM.

Es ist unglaublich schwer für erfolgreiche Firmen, disruptive Technologien wie KI einzusetzen und Grundsteine des bisherigen Erfolgs in Frage zu stellen.

Dr. Andreas Liebl, Managing Director der Initiative appliedAI von UnternehmerTUM

Wenig disruptive Technologien in Deutschland

Die Studie zeigt, dass deutsche Firmen Innovation und Disruption nach wie vor nur schwer vorantreiben können. Im Jahr 2019 hat es lediglich ein einziges deutsches Start-up in die CB Insights AI 100 -Liste der besten KI-Start-ups geschafft. Die Hürden sind nicht der Zurückhaltung vor einem Wagnis geschuldet, sondern auch zum großen Teil struktureller Natur, Stichwort Fachkräftemangel. „Es ist unglaublich schwer für erfolgreiche Firmen, disruptive Technologien wie KI einzusetzen und Grundsteine des bisherigen Erfolgs in Frage zu stellen. Da in Deutschland aktuell viele Hidden Champions beheimatet sind, müssen gerade diese aufpassen, dass sie die nächste Innovationswelle nicht verpassen,“ so Dr. Liebl.

Um KI greifbar zu machen, müssen wir den grundlegenden Unterschied zwischen traditionellen Technologien und Systemen, die KI-getrieben funktionieren, verstehen. „Moderne KI Systeme werden maßgeblich ‚trainiert‘ und nicht ‚programmiert‘. Es sind viel weniger Codes, aber viel mehr Daten notwendig. Diese Eigenschaft hat eine ganze Menge an Unterschieden zur Folge. Die Entwicklung ist sehr viel experimenteller. Es muss bei Veränderungen neu trainiert werden, anstatt ein Update zu machen. Ergebnisse sind sehr viel weniger nachvollziehbar“, fasst Liebl zusammen.

Potenzial von Intuition und Kalkulation maximal ausschöpfen

In den letzten Jahren konnten zwei der größten Probleme in der KI-Entwicklung endlich gelöst werden: Sprache und visuelle Wahrnehmung. Diese beiden Faktoren haben die künstliche Intelligenz mit einem Schlag in unsere reale, menschliche Welt katapultiert. Denn die visuelle Wahrnehmung ist essenziell für das Erkennen von Problemen. Und Sprache ist entscheidend für die Interaktion zwischen Menschen. „Öffentlich und frei verfügbare vortrainierte Netze, die mit großen Datenmengen und neuesten Modellen trainiert wurden, stellen für zahlreiche Anwendungen die technologische Basis dar. Die Genauigkeit dieser Modelle liegt oft in einem Bereich, die wir Menschen akzeptieren.“, so Dr. Andreas Liebl. Während also traditionelle Computerprogramme auf reine Kalkulation ausgelegt sind, funktionieren KI-Systeme auf Basis von Intuition und Lernvermögen.

Spätestens hier wird nun klar, warum Künstliche Intelligenz so effektiv ist: Der Selbstlern-Effekt führt um ein Vielfaches schneller zum gewünschten Ergebnis als es das menschliche Gehirn vermag. Hinzu kommt, dass wir zur Lösung von realen Alltagsproblemen KI-getriebene Systeme mit traditionellen Computerprogrammen kombinieren können. So kann das Potenzial von Intuition und Kalkulation maximal ausgeschöpft werden.

Wer bei Künstlicher Intelligenz also sofort an Siri, Alexa und Co. denkt, hat weit gefehlt. Der Einsatz von KI geht weit über virtuelle Assistenten hinaus. Etablierte Unternehmen wie Microsoft oder SAP nehmen dabei eine Vorreiterrolle ein: sie können heute Unternehmensdaten mittels Künstlicher Intelligenz auf bislang ungekannte Weise verarbeiten und nutzen – dank einer Entscheidungsfähigkeit, die zuvor nur menschliche Intuition leisten konnte. Datengetriebene Unternehmen sind mit KI in der Lage, durch so genannte Predictive Services Geschäftsprozesse zu vereinfachen, Szenarien zu entwickeln, eigene Optimierungspotenziale schnell zu erkennen und darauf zu reagieren. Start-ups ziehen hier nach: „Bei UnternehmerTUM integriert die Mehrheit der Start-ups mittlerweile KI entweder in die Entwicklung oder in das Produkt bzw. den Service. Dennoch ist es nicht einfach, mit KI ein skalierbares Geschäft aufzubauen, da oft eine Individualisierung und eine permanente Begleitung der verschiedenen Anwendungen einhergeht. KI-basierte Geschäftsmodelle entsprechen viel eher Service-Modellen als hochskalierbaren Digitalprodukten.“

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Dr. Andreas Liebl, Managing Director der Initiative appliedAI von UnternehmerTUM

KI wie ein Produkt entwickeln

Die Initiative appliedAI von UnternehmerTUM setzt genau hier an mit ihrer Mission „We lift Germany to the AI age“. Mit strategischer und technologischer Unterstützung hilft appliedAI, Künstliche Intelligenz ins eigene Business zu integrieren. „appliedAI hat sich zum Ziel gesetzt, die Anwendung von KI in Deutschland zu beschleunigen. Das heißt wir begleiten Unternehmen auf dem Weg, KI einzusetzen – über Engineering, Strategie und Operationalisierung sowie Kompetenzaufbau. Bei konkreten Anwendungen arbeiten wir unter anderem an komplexen Optimierungslösungen und an selbstlernenden Anlagensteuerungen“, erklärt Liebl.

Worauf kommt es dabei an? Wichtig ist zum einen, KI nicht als Projekt, sondern vielmehr als Produkt anzusehen, das entwickelt und stetig weiterentwickelt wird. Zudem sollte KI idealerweise nicht ausschließlich mit externer Expertise implementiert werden, um den direkten Bezug zum eigenen Kerngeschäft aufrechtzuerhalten. Auf Best Practices sollte aber auch nicht verzichtet werden. Innerhalb des Teams sollten die Anforderungen so verteilt werden, dass sie alle wichtigen Stakeholder aus IT, Geschäftsprozessen und Kerngeschäft gleichermaßen einbeziehen.

Bei all den Möglichkeiten, die KI den Unternehmen in Zukunft bieten wird: Um Künstliche Intelligenz überhaupt zu implementieren, bedarf es exzellenter Branchenkenntnisse der Mitarbeiterschaft und eines ebenso profunden Technologie- und Prozessverständnisses bei der Integration von KI-Lösungen. Neue Technologien entspringen Innovationsgeist und Kreativität. Daher sei abschließend gesagt: Fortschritt ist nur durch den Menschen möglich.

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